Dienstag, 17. April 2007 Heinsberger Nachrichten
Mit „Sonntagsspaziergängen“ im deutsch-niederländischen Grenzbereich wird künftig verstärkt auf die aktuelle Situation des alten Franziskaner-Klosters in Maharishi-Besitz aufmerksam gemacht. Intensive Bautätigkeit zu sehen.
Wassenberg/Vlodrop. Fast kam man sich vor wie früher an der deutsch-deutschen Grenze beim Sonntagsspaziergang rund um das ehemalige Kloster St. Ludwig, oder besser, was noch davon übrig geblieben ist: Misstrauische „Wächter“ mit Funkgeräten hinter dem hohen zusätzlich mit Stacheldraht gesicherten Drahtzaun, solche, die neugierige Wanderer am Haupteingang aus nächster Nähe fotografierten und daneben ein reger Personenverkehr in den Komplex und heraus mit Pkw, Fahrrädern oder zu Fuß. Der Maharishi Mahesh Yogi ließ grüßen.
Lange Zeit war es ziemlich ruhig um die teilzerstörte ehemalige Klosteranlage, von der höchsten niederländischen Instanz als „Rijksmonument“ eingestuft. Dreimal hatte das höchste Gericht den beantragten Abriss des alten, 1907 von den Franziskanern erbauten Gebäudekomplexes verboten, bisher beharrte offensichtlich die Gemeinde Vlodrop, heute Roerdalen, auf der von ihr erteilten Abrissgenehmigung – und im Internet kann man die Auffassung der Verantwortlichen nach der ungenehmigten Teilzerstörung nachlesen: „Wir überlassen es der Natur. Wenn ein Sturm das halbe Dach abdeckt, bleibt es so liegen. Für einen Eigentümer besteht keine Pflicht, ein Gebäude zu unterhalten.“
Es gibt aber eine Reihe privater und parteilich orientierter Personen auf deutscher und niederländischer Seite, denen der Verfall des Kulturdenkmals ein Dorn im Auge ist – schließlich liegt der Komplex gerade 600 Meter von der deutschen Grenze entfernt. Früher nutzten viele Dalheimer Bürger die Gelegenheit, zu Fuß über die Grenze zur Sonntagsmesse zum Kloster zu gehen, und deutsche Externe machten im Internat dort ihr Abitur. Viele von ihnen versuchen mit Elan, der weiteren Zerstörung und der umfangreichen Bautätigkeit auf dem weitläufigen Gelände der MERU (Maharishis European Research University) Einhalt zu gebieten. Ein Anwohner der nahe gelegenen Straße „Vlodrop Sta-tion“ berichtete, dass ständig schwere Lastwagen Baumaterialien ankarrten. Beim Blick durch den Gitterzaun lässt sich die Bautätigkeit erkennen. Halb fertige, moscheeartige Gebäude, aber auch andere werden hochgezogen, Material lagert dort in großer Menge und das Studentenwohnheim scheint fertiggestellt zu sein. „Da wohnt aber niemand“, wusste ein Niederländer zu berichten.
Die mit Autobussen hergebrachten Teilnehmer an Seminaren, die zum Teil aus den USA anreisen sollen, schlafen in Hotels am nahe gelegenen Elfenmeer. Gefeiert werde oft, kräftig und laut. Man hatte sogar rund um das Gelände farbige Scheinwerfer angebracht, die nachts weit in das Waldgebiet leuchteten und die Tiere vertrieben. Diese mussten kürzlich auf Betreiben des Bosbeheers, der für den Naturschutz zuständig ist, wieder abgebaut werden.
Die Franziskaner verkauften ihr Eigentum 1979 für 19,5 Millionen Gulden an den niederländischen Staat. Nach einem kurzen Zwischenspiel einer mobilen Einheit der NL-Polizei erwarb schließlich der indische Guru mit seiner internationalen Gesellschaft für trans-zendente Meditation alles für gerade noch 1,9 Millionen Gulden. Nur Friedhof und Friedhofskapelle hatten sich die scheidenden Mönche für sich ausbedungen. Dafür kommt zurzeit die Gemeinde mit Instandhaltungskosten auf.
Die Meinungen in der deutschen und niederländischen Bevölkerung sind durchaus geteilt. Manche sehen am liebsten wie der Maharishi den Abriss und die Errichtung von neuen Gebäuden, andere wollen das denkmalgeschützte Haus erhalten und den Guru zwingen lassen, die angerichteten Zerstörungen zu beseitigen.
Die künftig geplanten Sonntagsspaziergänge rund um den Gitterzaun mit fachkundigen Erläuterungen sollen mehr Öffentlichkeit herstellen und Interesse an dem ehrwürdigen Bauwerk und der Tätigkeit der Franziskaner wecken. Beim ersten Spaziergang jetzt, organisiert von der Sozialistischen Partei (SP) im Kreis Roermond in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bürgerkomitee Sankt Ludwig und den befreundeten politischen Gruppierungen WASG und Die Linke.PDS im Kreis Heinsberg, war das Echo groß. An die 80 „Wanderer“ trafen sich, auch Belgier und Deutsche waren mit von der Partie. Und Louis op de Kamp, Vorzitter Burgercomite St. Ludwig, will mit zahlreichen Mitstreitern dafür sorgen, dass die Verantwortlichen der Gemeinde Roerdalen tätig werden, und zwar im Sinne der Provinz und Raad van State, die den Erhalt wollen.(bast)