Samstag, 23. August 2008 Heinsberger Nachrichten / Geilenkirchener Zeitung
Paul Schäfer, verteidigungspolitischer Sprecher der „Linken“ im Bundestag, hält solche Allianzen für „obsolet“. Bei seiner „Kasernentour“ erhält er Unterstützung durch Jan de Wit aus den Niederlanden.
Geilenkirchen. „Die Nato muss aufgelöst werden – es gibt keine andere Zielperspektive, denn solche Allianzen sind obsolet“: Mit Schlagworten wie diesen trat der Verteidigungspolitische Sprecher der Fraktion „Die Linke“ im Deutschen Bundestag, MdB Paul Schäfer, am Donnerstagabend im Hotel Jabusch auf. 
Vor etwa 25 Anwesenden im Saal des Hauses sprach er sich bei seiner Stippvisite in Geilenkirchen zugleich für ein Ende des deutschen Engagements in Afghanistan aus. Vor dem Hintergrund, dass dies ein Einsatz mit steigender Intensität sei, „der schon länger dauert als der Zweite Weltkrieg“, sah Schäfer ein weiteres Schaffen deutscher Soldaten dort als sinnlos an.
„Kein Heimspiel auf der Base“
„Denn wenn eine Mehrheit der Deutschen gegen einen Einsatz ist, dann sind wir als Politiker gefragt, den Willen der Bevölkerung durchzusetzen“. Und Schäfer legte noch nach. Denn im Rahmen seiner von ihm selbstgetauften „Kasernentour 2008“, die ihn schon an verschiedene Militärstandorte in Deutschland führte, will er erkannt haben, dass das Militär sowohl Wirtschaftsfaktor als auch Last sei.
„Ich hatte dort nicht unbedingt ein Heimspiel“, sagte er augenzwinkernd über seinen wenige Stunden zuvor beendeten Besuch bei der Führung der Nato-Airbase in Teveren. Doch auch hier sei ihm aufgefallen, wie schwierig die Lage auf der Base und vor allem drumherum sei. Er sprach von Diskussionen auch innerhalb der Familien von Soldaten, die sich um das Für und Wider solcher Einrichtungen drehten. Und er sprach auch von der Lärmbelästigung, die in Geilenkirchen seit der Einrichtung des Stützpunktes ein Thema sei. In diesem Fall sprang Jan de Wit, seit 25 Jahren Abgeordneter der linksorientierten SP, seinem deutschen Kollegen zur Seite. De Wit verdeutlichte, dass seine Partei immer gegen den Krieg in Afghanistan gewesen sei. Er scheute sich auch nicht davor, Parallelen zum Krieg in Vietnam zu ziehen, die er auf die Formel „immer mehr Truppen und keine Lösung“ brachte. Konkret forderte er das Militär auf, sich aus dem Land der Paschtunen und Taliban zurückzuziehen, „weil wir dort nichts zu suchen haben“.
Und vor dem Hintergrund eines möglichen Einsatzes von Awacs-Flugzeugen in Afghanistan kam er auch zum Lärm- und Abgasproblem in Geilenkirchen. „Für mich ist die Sache klar: Es ist eine unerträgliche Situation für die Leute in Onderbanken, Brunssum und Landgraaf und es muss ein Ende haben“, forderte er. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen derer, die sich schon lange gegen die Emissionen der Awacs-Flugzeuge zur Wehr setzen und die auch im Publikum dabei waren. Sie freuten sich auch über die Ansage de Wits, dass die niederländische Seite anstrebt, ein generelles Überflugverbot für ihren von den Flugbewegungen betroffenen Bereich zu erreichen. (mabie)