Zurück zur Startseite
24. April 2010

Politik und Kirche im Gespräch

Landtagskandidaten aus dem Kreis Heinsberg stellten sich bei einer Podiumsdiskussion den Fragen engagierter Christen. Eingeladen hatte der Evangelische Kirchenkreis. Im Zentrum standen Sozialpolitik und Bildung.
VON DANIELA GIESS

HÜCKELHOVEN Politik und Kirche im Gespräch - unter diesem bezeichnenden Motto hatte der Evangelische Kirchenkreis Jülich die Landtagskandidaten aus der Region zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Vor allem das Thema Bildung sorgte im großen Saal des evangelischen Gemeindezentrums für reichlich Diskussionsstoff.


Seine Partei sei dafür, die Studiengebühren sofort abzuschaffen, machte Michael Schreiner (Die  Linke) deutlich. Die Wegberger Pfarrerin Ute Schlammer als Synodalbeauftragte für Kindertagesstätten im Kirchenkreis Jülich lenkte den Blick auf die aktuelle Situation in den Einrichtungen. Hier sei das finanzielle Risiko der Träger gestiegen. Die Folgen für die Erzieherinnen: große Arbeitsplatzunsicherheit sowie ein Anstieg der Zeitverträge. Schlammer: ?Für die Kinder gibt es dann eventuell keine feste Bezugsperson mehr.? Auch sei die Flexibilität der Träger gesunken. Da man das ?Buchungsverhalten? der Eltern, die sich für 25, 35 oder 45 Wochenstunden frei entscheiden könnten, vorher nicht einzuschätzen könne, gebe es eine große Unsicherheit.


Die Landesregierung habe ?wesentlich mehr Geld? in diesen Bereich investiert, betonte CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Gerd Hachen. Die Quote der Betreuung unter drei Jahren sei von 2,8 Prozent im Jahr 2005 auf heute 19 Prozent verachtfacht worden. SPD-Kandidatin Nicole von den Driesch zeigte sich unzufrieden mit dem Angebot in ihrer Heimatstadt Wegberg sowie in den Nachbarstädten Erkelenz, Hückelhoven und Wassenberg; ?Das ist keine Erfolgsgeschichte.? Für die Erzieherinnen seien die Arbeitsbedingungen ?nicht ideal?: ?Hier muss nachgebessert werden.? Ein ganzheitliches Bildungskonzept forderte Grünen-Landtagsabgeordnete Dr. Ruth Seidl. Ihre Partei plane, die Studiengebühren abzuschaffen, mehr Lehrer einzustellen und kleinere Klassen zu schaffen.


Auf Unverständnis stieß FDP-Kandidat René Stegemann mit seinen Äußerungen. ?Wenn beide Eltern arbeiten, können sie auch für ihre Kinder das Schulessen bezahlen?, meinte der 40-jährige Kfz-Sachverständige, als man auf das Thema Kinderarmut zu sprechen kam. Die Landes-Fördertöpfe ?Kein Kind ohne Mahlzeit? wollte er nicht erhöhen, da diese Mittel seiner Meinung nach ?sowieso nur zu 80 Prozent ausgeschöpft? würden. Bildung sei die einzige Möglichkeit, die ärmlichen Verhältnisse hinter sich zu lassen, sagte Nicole von den Driesch. Die Tafeln hätten sich des Themas angenommen, ?aber eigentlich ist die Politik gefordert?. Für die  Linke plädierte Kandidat Olaf Renner für Ganztagsschulen mit kostenfreien Lehrmitteln. Das dreigliedrige Schulsystem rufe eine soziale Spaltung hervor.


Dass jedes vierte Kind von Armut bedroht sei, empfinde sie als schockierend, unterstrich Ruth Seidl. ?Ein bedrückendes Thema?, meinte Gerd Hachen.

 

- /DANIELA GIESS

Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Erkelenz
Ausgabe: Nr.95
Datum: Samstag, den 24. April 2010
Seite: Nr.14